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Kulturreise nach Nürnberg und München

Die Betriebsdirektorin des Hamburg Ballett und Stellvertreterin des Ballettintendanten John Neumeier, Frau Ulrike Schmidt, hat eine von Abonnenten unternommene Kulturreise nach Nürnberg und München begleitet. Für unseren Blog gewährt sie spannende Einblicke in das abwechslungsreiche Reiseprogramm.

Tag 1

Mit dem ICE fahren wir in Richtung Süden, und den Empfang in Nürnberg am Bahnhof bereitet uns bei strahlendem Sonnenschein Richard Eckstein, unser von allen äußerst geschätzter Reisekreateur und -leiter. Und hier geht es gleich mit der Stadtführung los: Wir erfahren viel über die fränkische Sprache und Küche, über Bayern und die Unabhängigkeitsbestrebungen von Franken. Nürnberg war einmal – wie Hamburg immer noch – ein Stadtstaat und ist protestantisch im katholischen Bayern. Nach einem schönen nachmittäglichen Spaziergang in der Altstadt von Nürnberg steht eine Einführung und der Besuch des Tanzstücks »Dürer‘s Dog« von Goyo Montero, Direktor und Chefchoreograf des Balletts des Staatstheater Nürnberg, auf dem Programm. Wir erleben 1 1/4 Stunde unglaublich sensitive, beeindruckende Bilder und Momente mit starker Musik und tollem Licht. Nach der Vorstellung folgt ein spannendes Gespräch über Albrecht Dürer zwischen dem Choreografen und dem designierten Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums Dr. Daniel Hess, der sich als begeisterter Ballettinteressierter erweist. Ebenfalls anwesend sind der Stellvertretende Ballettdirektor José Hurtado und die Persönliche Referentin des Ballettdirektors Dorothea Mosl, mit denen wir uns über die Entstehung und Inspiration des Balletts unterhalten.

Tag 2

Der zweite Tag beginnt mit einem Probenbesuch und einer Hausführung beim Ballett des Staatstheaters Nürnberg. Wir haben das große Glück einer Probe von zwei neuen Balletten, drei Wochen vor der Premiere, beiwohnen zu dürfen: Eine Choreografie von Jiří Kylián für die Frauen und eine Kreation von Goyo Montero für die Männer der Compagnie. Danach geht es zum Schäufele-Essen − köstlich, aber für uns Nordlichter nicht leicht zu verdauen! Am Nachmittag erhalten wir eine phantastische Führung von Dr. Daniel Hess im Germanischen Nationalmuseum. In sehr lockerer, unterhaltsamer, aber zugleich intensiver Art bringt er uns vor allem Albrecht Dürer sehr nahe. Der Tag findet einen herrlichen Ausklang beim Schoppen Wein in einem urigen Lokal mit einer schlagfertigen Kellnerin.

Tag 3

Unser letzter Tag in Nürnberg fängt mit einem Altstadtbummel zur »Straße der Menschenrechte« in der Kartäusergasse und zur Lorenzkirche an. Auf Schritt und Tritt werden wir mit dem bekannten Sohn dieser Stadt konfrontiert. Im Albrecht-Dürer-Haus erhalten wir durch »Agnes Dürer«, eine Schauspielerin, die als Frau von Albrecht Dürer ihr Haus zeigt, eine Führung durch das Wohn- und Arbeitshaus des größten Nürnberger Künstlers. Nach dem Besuch der imposanten Kaiserburg und der Sebalduskirche treten wir die Fahrt nach München an. Auf einem ersten Spaziergang durch Bayerns Landeshauptstadt erzählt uns Richard Eckstein viel über die Historie und die Wittelsbacher, die u. a. das klassizistische Nationaltheater München, das größte Opernhaus in Deutschland, haben erbauen lassen. Daneben liegt das traditionsreiche Schauspielhaus, das einzige erhaltene Jugendstil-Theater in Deutschland, und das im Rokokostil errichtete Cuvilliés-Theater. In der Innenstadt gibt es Prachtstraßen, aber auch kleine gemütliche Bereiche.

Tag 4

Besuch der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München: Es begrüßt und führt uns der Leiter, Prof. Jan Broeckx. Wir schauen uns das Training verschiedener Ausbildungsstufen an und erhalten viele Informationen, die ich auch in den Zusammenhang mit unserer Ballettschule des Hamburg Ballett versuche zu stellen. Danach geht es ins Nationaltheater, wo wir eine Opernhausführung bekommen und eine spektakuläre Vorstellung von Yuri Grigorovichs Ballettmelodram »Spartacus« mit dem Superstar Sergei Polunin in der Hauptrolle sehen. Alle Solisten sind phantastisch und auch das Ensemble zeigt sich in Hochform. Natürlich kann man nach einem solchen Ereignis nicht einfach nach Hause gehen und so diskutieren wir heftig im französischen Teil des Ratskellers über das Erlebte, die Tänzerwelt und vieles mehr!

Tag 5

Der Tag beginnt mit einem Trainingsbesuch beim Bayerischen Staatsballett gefolgt von einem Gespräch mit der Kammertänzerin Judy Tyros sowie dem Tänzer und Choreografen Dustin Klein. Sie ist Ballettmeisterin und eine sehr erfahrene Tänzerin, die u. a. viele Hauptrollen in Balletten von John Neumeier getanzt hat. Er ist ein junger, begabter Tänzer und Choreograf, der momentan mit dem Bundesjugendballett an einer Choreografie für das anstehende Projekt »Bundesjugendballett trifft Shakespeare« (von 30. Mai bis 5. Juli im Ernst Deutsch Theater) arbeitet. Mein Abschied naht und nach einem fröhlichen Abstecher im sehr touristischen Hofbräuhaus besuchen wir das Cuvilliés-Theater, Münchens berühmtes Rokokojuwel. Während ich mich schon auf der Fahrt nach Hamburg befinde, sehen die anderen Reiseteilnehmer im Theater am Gärtnerplatz eine tolle Vorstellung von Marco Goeckes Ballett »La Strada« und erleben den Reiseleiter Richard Eckstein in Höchstform bei einer Führung durch das Deutsche Theatermuseum.

Es war eine sehr gelungene Reise mit vielen neuen Kulturerlebnissen und interessanten Einblicken in den aktuellen Tanz und das Ballett in Deutschland!

Ulrike Schmidt