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  • BallettTester:innen »Wunderland«

    BallettTester:innen »Wunderland«

    Als BallettTester:innen durften Jules, Frida ANTONINA und Merle unsere Premiere des Balletts »Wunderland« bereits in der Hauptprobe erleben. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.

    Die meisten Menschen kennen die Geschichte von Alice, welche einem Hasen hinterherläuft und sich plötzlich in einer wundersamen Parallelwelt wiederfindet. Bevor ich zur Hauptprobe des Stücks ging, war ich noch nicht ganz sicher, wie gut sich die Geschichte als Ballett ganz ohne Worte erzählen lässt. Nachdem ich die Inszenierung jedoch gesehen habe, kann ich nur sagen, dass ich jede Sekunde gebannt war und direkt hineingezogen wurde.

    Das Erste, was mir auffiel, war das Licht. In dem Stück werden so viele Stimmungen und Atmosphären erschaffen, wobei die Lichttechnik eine tragende Rolle spielt. Direkt in der ersten Szene hat Alice einen Spot in einem kalten, weißen Licht, die restliche Szene ist in ein warmes Licht getaucht, das wie eine Erinnerung auf einem ausblassenden Foto wirkt. Als Alice in den Kaninchenbau fällt, werden zum ersten Mal Projektionen genutzt, um die Szene digital zu visualisieren. Die Bildschirme integrieren sich nahtlos in das restliche Bühnenbild und verstärken die magische und mystische Stimmung.

    Olivia Betteridge als Alice © Kiran West      

    Das Herzstück des Balletts ist natürlich die Choreografie. Die Leistung der Tänzer:innen ist phänomenal, sowohl technisch als auch schauspielerisch. Die Choreografie bewegt sich durch alle Genres. Man merkt schnell, wie viel Arbeit, Herzblut und Kopf in der Umsetzung und besonders in der Choreografie steckt. Sie vereint klassische Ballettelemente und Figuren mit völlig ballettfremden Bewegungen und konstruiert zusammen mit der Musik die vielschichtigen Charaktere. Gerade bei Alice ist ihr Zustand sehr gut herausgearbeitet, ihre Verwirrung in Kombination mit purer Lebensfreude und Euphorie, wobei sie durchgehend leicht abwesend, wie in Trance oder einem Traum wirkt.

    Ida Praetorius (Herzkönigin), Aleix Martínez (Weißes Kaninchen), Olivia Betteridge (Alice) und Ensemble © Kiran West

    Die ganze Inszenierung spielt auf allen Ebenen immer wieder mit Kontrasten. Alles wirkt verzerrt, es kommt immer anders als erwartet. Jeder Charakter ist einzigartig und hat Persönlichkeit, selbst wenn er nur kurz auf der Bühne zu sehen ist. Als angehende Kostümbildnerin sind mir besonders die Kostüme aufgefallen, der surreale Stil von David Szauder visualisiert die Kombination aus Fantasie, Mystik und Unheimlichen, die sich in der ganzen Geschichte von »Alice im Wunderland« wiederfindet. Wie auch beim Bühnenbild wechselt das Kostümbild unzählbare Male, verfremdet, entmenschlicht, abstrahiert und mystifiziert die Charaktere.

    Abschließend kann ich nur sagen, dass ich das Stück jedem wärmstens empfehlen kann, egal ob jung oder alt und ob mit oder ohne Balletterfahrung. Es hat so viele Ebenen, so viel Tiefgang und kann auf verschiedenste Arten gelesen und interpretiert werden, gleichzeitig ist es auch einfach wunderschön anzusehen.

    Jules, 23 Jahre

    Ana Torrequebrada (Das Einhorn), Aleix Martínez (Der Löwe) und Ensemble © Kiran West  

    Ich habe die Hauptprobe von »Wunderland« gesehen. Mir hat es sehr gut gefallen. Meine Lieblings-Szene war die, wo Alice bei den Katzen war und mit ihnen getanzt hat. Im 2. Teil war eine sehr schöne Szene mit einem glitzernden Einhorn und dem Löwen.

    Natürlich hat mir auch die Musik sehr gut gefallen. Sie war abwechslungsreich, manchmal bestand sie nur aus Klängen. Außerdem waren die Kostüme schön bunt und sehr kreativ. Am besten gefallen hat mir das Kostüm mit den Pilzen.

    Am Schluss fand ich die Gestaltung der Bühne besonders beeindruckend, sie war manchmal rund und manchmal eckig. Beeindruckt hat mich auch, wie viele Menschen an dem Stück mitgearbeitet haben.

    Auf jeden Fall fand ich »Wunderland« richtig super und empfehle allen Familien und Kindern, sich das Stück anzugucken.

    Frida Antonina, 10 Jahre

    Zeichnung der BallettTesterin Frida Antonina, inspiriert von den Pilzen in »Wunderland« © Privat   

    Als BallettTesterin saß ich am 18. Juni gespannt im Parkett der Hamburgischen Staatsoper und konnte mir die Hauptprobe von »Wunderland« ansehen. Und oh ja, ich durfte mich herrlich wundern.

    Mit einer neugierigen Alice erlebt man als Publikum den Fall in den Kaninchenbau, ihren Weg durch das Wunderland und schließlich ihre Reise hinter die Spiegel.  Der idyllische Nachmittag, dem Alice gelangweilt entflieht, wird zu einem bunten teils absurden Abenteuer – oder vielmehr vielen kleinen Abenteuern – die flüssig ineinander übergehen wie im Traum. Fließende Bilder und Bewegungen beeindrucken schon für sich, doch eines der größten Kunststücke dieses Balletts ist die Musik und wie sie die einzelnen Szenen verknüpft.

    Die Pilze im Wunderland © Kiran West    

    Die Musikauswahl, die Alices Reise untermalt, mag auf den ersten Blick vielleicht gar nicht allzu sehr zueinander passen, doch hier im Kaninchenbau ergänzt sich alles perfekt. Teils bekannte Stücke, teils modern oder lediglich Geräusch-Collagen gehen unmerklich ineinander über und kreieren einen ja, wundersamen Soundtrack. Besonders Bilder, in denen Collagen-Sounds verwendet wurden, sind mir persönlich am einprägsamsten in Erinnerung geblieben. (Gewisse Pilze und Türen werde ich so schnell nicht vergessen.)

    Auch Alice fügt sich wie selbstverständlich in diese Welt: Unerschrocken lernt Sie die Wesen des Wunderlands kennen, von Tierwesen, Hutmacher-Gesellschaft, Türen bis hin zur Herzkönigin – ist mit der wirklich gut Kirschen essen?   

    Olivia Betteridge (Alice) und Gabriel Barbosa (Der Hutmacher) © Kiran West     

    Ich hatte den Eindruck, dass das Level an Absurdität nicht immer konstant blieb: einige Darstellungen, Lichtstimmungen und Kostüme (es sind wahnsinnig viele! Auch hier sind wahrscheinlich die Pilze meine Favoriten) schienen klassischer und andere sehr viel mutiger zu sein. Das Wunderland assoziiere ich persönlich mit einem maximalen Level an Absurdität. Ein, zwei Szenen konnte dieses Level für mich nicht vollends greifen, doch viele sind perfekt genial schräg.

    Ein Gefühl zwischen Faszination und auch einem minimalen, genüsslichen Unbehagen stellt sich ein. Man staunt und lässt sich mitreißen. Ein Fall in ein Kaninchenloch war sicher selten so ein Vergnügen. Mit maximaler Kreativität – »Wunderland« wird seinem Namen allemal gerecht.

    Merle, 24 Jahre