Als BallettTester:innen durften Maxime und Micha Unsere wiederaufnahme des Balletts »a cinderella story« bereits in der Hauptprobe erleben. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.
Ich durfte den Tänzer:innen am vergangenen Freitag bei der Hauptprobe des Ballettstücks »A Cinderella Story« zuschauen. Schon ab der ersten Szene, die in einer kalten Winternacht mit Schnee beginnt und in der die Vögel Cinderella zum Schweben bringen, hat mich das Stück in seinen Bann gezogen. Bis zum Ende, an dem Cinderella selbst die Entscheidung über ihre Zukunft trifft, war ich durchgehend begeistert.
Besonders beeindruckt hat mich, wie die Geschichte erzählt und gleichzeitig auf eine ganz eigene moderne Weise interpretiert wurde.

Das Ballett orientiert sich an der bekannten Geschichte der Gebrüder Grimm. Im Gegensatz zu vielen anderen Cinderella-Versionen taucht hier jedoch keine gute Fee auf, die der Hauptfigur hilft. Stattdessen wird Cinderella von Vögeln begleitet, die eine wichtige Rolle in der Geschichte einnehmen. Auch ihre verstorbene Mutter ist auf eine besondere Weise präsent und steht stets hinter ihr. Dadurch bekommt die Geschichte eine etwas düstere und gleichzeitig emotionalere Atmosphäre. Trotzdem fehlt es dem Stück keineswegs an Magie.
Besonders unerwartet fand ich das Szenenbild. Aus vielen klassischen Ballettstücken kennt man sehr pompöse, aufwendig gestaltete und auffällige Bühnenbilder, die oft einen großen Teil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Bei »A Cinderella Story« wurde dagegen bewusst auf ein sehr minimalistisches Bühnenbild gesetzt. Die Bühne bestand größtenteils aus weißen Wänden und war ungewöhnlich tief, wodurch der Blick automatisch weit nach hinten gelenkt wurde. Trotz der wenigen Elemente wirkte die Bühne dadurch keineswegs leer, sondern gab den Tänzer:innen viel Raum und ließ die einzelnen Szenen besonders zur Geltung kommen. Beeindruckend war ebenfalls, wie vielseitig dieses einfache Bühnenbild eingesetzt wurde. Durch die Anordnung der einzelnen Elemente war es möglich, mehrere Szenen gleichzeitig oder direkt hintereinander darzustellen, ohne dass die Bühne ständig komplett umgebaut werden musste. Dadurch entstanden sehr spannende Übergänge. Die Tiefe der Bühne wurde dabei immer wieder genutzt, um verschiedene Ebenen und Situationen gleichzeitig entstehen zu lassen.

Obwohl der Hintergrund überwiegend in Schwarz und Weiß gehalten war, fehlte es dem Stück keineswegs an Farbe. Ganz im Gegenteil: Die Requisiten und Kostüme setzten mit ihren sehr kräftigen und auffälligen Farben starke Akzente. Der Kontrast zwischen dem schlichten Bühnenbild und den farbenfrohen Kostümen hat mir dabei besonders gut gefallen.
Insgesamt hat mich »A Cinderella Story« vor allem durch das Zusammenspiel aus Tanz, Musik, Bühnenbild, Kostümen und der besonderen Interpretation der Geschichte begeistert. Die Inszenierung zeigt, dass ein Bühnenbild nicht unbedingt aufwendig oder pompös sein muss, um eine starke Wirkung zu erzielen. Gerade die Kombination aus Minimalismus und kräftigen Farbakzenten hat dem Stück eine ganz eigene Ästhetik verliehen. Auch die Darstellung von Cinderella als jemand, der am Ende selbst über seine Zukunft entscheidet, hat mir sehr gut gefallen. Dadurch wird aus der bekannten Märchengeschichte eine moderne und selbstbestimmte Erzählung, die mich auch nach der Hauptprobe noch beschäftigt.
Maxime, 26 Jahre

Am vergangenen Freitag durfte ich bei der Hauptprobe von »A Cinderella Story« dabei sein. Für mich war es bereits der dritte Besuch eines Balletts in der Staatsoper – und auch dieses Mal hat mir die Vorstellung sehr gut gefallen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Anfang des Stücks. Die winterliche Atmosphäre, die Musik und der Tanz haben für mich von Beginn an sehr gut zusammengepasst. Überhaupt fand ich beeindruckend, wie harmonisch und präzise die Tänzer:innen miteinander getanzt haben. Besonders aufgefallen sind mir dabei die Vögel, die Cinderella durch die Geschichte begleiten. Spannend fand ich, dass ihre Bewegungen einerseits sehr synchron wirkten, andererseits aber nicht vollkommen gleich waren. Die einzelnen Vögel hatten immer wieder etwas eigene Bewegungen und Verhaltensweisen, ohne dass die Gruppe dadurch weniger harmonisch wirkte. Gerade dieses Zusammenspiel fand ich sehr beeindruckend.

Die Geschichte selbst konnte ich größtenteils gut nachvollziehen. Etwas verwirrend fand ich allerdings die Zeitsprünge und die Rolle des Prinzen, der bereits zu Beginn auftaucht. Hier hilft es wahrscheinlich, die Geschichte der Gebrüder Grimm vorher noch einmal zu lesen – denn die Inszenierung orientiert sich nicht an der bekannten Disney-Version.
Auch das sehr reduzierte Bühnenbild hat mir gut gefallen. Gerade weil die Tänzer:innen nicht ständig von einer aufwendig gestalteten Umgebung umgeben waren, lag der Fokus stärker auf ihnen und auf der jeweiligen Szene. Zusammen mit der Musik und der insgesamt sehr schönen Atmosphäre hat das für mich sehr gut funktioniert.
Insgesamt hat mir »A Cinderella Story« deshalb sehr gut gefallen. Nach inzwischen drei Ballettbesuchen in der Staatsoper würde ich jederzeit wiederkommen.
Micha, 29 Jahre
Aufmacherbild: Die BallettTester:innen Maxime und Micha mit Dramaturgin Nathalia Schmidt (c) Kiran West

