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  • BallettTesterinnen »Dritte Sinfonie von Gustav Mahler«

    BallettTesterinnen »Dritte Sinfonie von Gustav Mahler«

    Als BallettTesterinnen durften Helene, Anna und Sandra unsere Wiederaufnahme bereits in der Hauptprobe erleben. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.

    Es regnete in Strömen, als ich zwanzig vor fünf bei der Staatsoper in Hamburg ankam. Ich trat ins Foyer des Gebäudes und wurde direkt von Friederike und Nathalia begrüßt. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde unter uns Ballett-Testerinnen gingen wir die Treppe zum Saal hoch, erwarteten ganz gespannt und mit viel Vorfreude die bevorstehende Aufführung. Schnell noch ein Foto, letzte Fragen geklärt und schon standen wir im Saal der Hamburger Staatsoper.

    Die Atmosphäre, die bereits im Saal herrschte, beeindruckte mich. Überall waren Menschen, die einen wichtigen Teil zu dem Ballettstück beitrugen: Die Techniker, dann das Orchester, Fotografen und natürlich auch John Neumeier, um bei der Probe die letzten Regieanweisungen zu geben. Da wir uns erst die Probe der B-Besetzung ansahen, erlebten wir den ersten Teil des Stücks zweimal. Aber es war in keiner Weise langweilig, zweimal die gleichen Szenen zu sehen. Es war vielmehr faszinierend, wie verschiedene Tänzer*innen die vorgegebene Choreografie umsetzten und mit welcher Präzision sie tanzten.

    Nach dem ersten Probendurchlauf wurden ergänzende Regieanweisungen gegeben, das Team der Regie sprach direkt mit den Tänzer*innen, um noch Verbesserungen vorzunehmen. Bestimmte Positionen wurden unauffällig auf der Bühne mit Tape markiert. Währenddessen wärmten sich die Tänzer*innen der A-Besetzung auf. Anschließend an die kurze Pause ging es weiter, nun wurde das zwei Stunden lange Stück ganz durchgetanzt.

    Ensemble in »Dritte Sinfonie von Gustav Mahler« © Kiran West

    Einzelne Akte wurden mit wiederkehrenden faszinierenden Bühnenbildern in Tanzform oder dem Bühnenlicht eingefangen und in den Zusammenhang des Stücks gesetzt. Das Bühnenbild und die Kostüme waren eher minimalistisch und schlicht, was jedoch die getanzten Figuren und so geschaffenen Bilder der Tänzer*innen sowie die Wirkung des Lichts hervorhob.

    Ein detailreicher Bühnenhintergrund ist bei diesem Stück meiner Ansicht nach nicht nötig, die Effekte, die mit dem Licht geschaffen wurden, sind imposant und beeindruckend genug. Der Bühnenboden wirkte durch die besonderen Lichtverhältnisse teilweise wie eine Wasseroberfläche, wenn sich die Tänzer*innen in ihm spiegelten.

    Während zu Beginn der Hintergrund noch schwarz war, wurde in der zweiten Hälfte des Stückes der Hintergrund der Bühne immer heller, wodurch die Silhouette der Tänzer*innen hervorgehoben wurde. Ich hörte die Spitzenschuhe auf dem Bühnenboden aufsetzen, wodurch sich das besondere Erlebnis im Ballett zu sein vervollständigte. Je nachdem, wo auf der Bühne getanzt wurde, ob im Vordergrund oder im Hintergrund, sah man entweder die Silhouetten oder die im Licht stehenden Tänzer*innen. Der leuchtende Hintergrund der Bühne änderte sich mit den einzelnen Szenen, wodurch erstaunlich viele unterschiedliche Atmosphären geschaffen wurden. Die anfangs erst dunkle Bühne wechselte zu leuchtend hell, ging über in ein dämmeriges Blau, bis das Licht ganz verschwand – fast so wie bei einem makellosen Sonnenuntergang.

    Mir gefiel die von Edvin Revazov getanzte Hauptrolle sehr. Er wechselte zwischen aktiver und passiver Hauptrolle, in manchen Szenen lag er nur wie schlafend am Bühnenrand, in anderen tanzte er wieder hingebungsvoll mit den anderen Tänzer*innen oder bildete mit seinem Tanz ganz bewusst einen Kontrast zu den Bewegungen innerhalb der Choreografie der Tänzer*innen.

    Mit seiner Figur wurden Assoziationen mit einem traumähnlichen Zustand geschaffen. Mit vielen Details erschuf John Neumeier bei uns Zuschauer*innen das Gefühl, einem Kreislauf des Lebens zuzusehen, man war vollkommen gebannt.

    In einigen Szenen agierten viele Tänzer*innen fast statisch im Hintergrund, während im vorderen Bereich der Bühne einzelne Tänzer*innen ein Solo tanzten. Diese Art, die Bühne in allen Bereichen zu nutzen, schaffte eine ganz besondere, faszinierende Dynamik sowie Bilder, die sich räumlich von hinten nach vorne aufbauten. Würde man bei diesem Ballett jede Sekunde in einem Foto festhalten, wäre jedes Foto sehr ästhetisch und unglaublich schön.

    Ich fand das ganze Stück sehr beeindruckend und war fasziniert davon, wie viele Tänzer*innen in diesem Ballettstück teilweise innerhalb einer Szene auf der Bühne waren und trotzdem in wunderschöner Synchronität getanzt haben. Die »Dritte Sinfonie von Gustav Mahler« war das erste große Ballett, das ich gesehen habe. Ich fand es sehr spannend, hinter die Kulissen einer abschließenden Probe zu blicken. Zudem bin ich sehr dankbar dafür, eine Ballett-Testerin für dieses Ballett gewesen sein zu dürfen.

    Helene Volkmer, 17 Jahre

    Hat man erst einmal Platz gefunden, so lädt auch der abgedunkelte Saal zur Gemütlichkeit ein. Der Saal ist verstummt und von links kommend schreitet eine einzelne Ballerina über die Bühne. Ihre Schritte sind langsam und bedächtig, als hätte Sie die Macht von Raum und Zeit. Ein jeder Schritt hat Auswirkung, so auch der erste Teil vom Orchester. 

    Kaum ist die Ballerina auf der anderen Seite der Bühne entschwunden, beginnt das einleitende Unisono der Trompete. Nach dem kurzen, aber kräftigen Einklang, beruhigt sich das Orchester und der Boden der Bühne ist belegt mit einer Vielzahl von Tänzern. Innehaltende Regungen bringen die Vorstellung in Bewegung. Fließend klassischer Tanz mit graziöser Anmut und die klassische Zuckerfee wird einem vorerst nicht präsentiert. Jedoch wird man später auch in diesem Bereich auf seine Kosten kommen – so viel sei verraten. 

    Ensemble in »Dritte Sinfonie von Gustav Mahler« © Kiran West

    Erst einmal wird aber das Ballett von seiner maskulinsten Seite präsentiert. Die vorbeigelaufene Ballerina hat nur Rätsel aufgeworfen und entschwindet bereits in Vergessenheit. Eine Gruppe von männlichen Tänzern bieten ein völlig neues Bild. Begleitet von einer düsteren Musik, empfindet man sich auf ein Schlachtfeld versetzt. Die Posaunen und Trompeten setzen neuerlich an und erinnern an ferne, ankündigende Fanfaren. Das Ballett erstellt tänzerisch ein Bataillon von Soldaten. Trainierend, triumphierend und zerbrechend kommen unterschiedliche Phasen zum Ausdruck. Bilder einer Einheit werden dargestellt und doch wieder aufgebrochen. Mal kaum merklich und manchmal sehr auffallend tanzen jeweils ein oder mehrere Tänzer wortwörtlich aus der Reihe. Das klassische symmetrische Bild wird dadurch aufgebrochen. Es weckt den Suchergeist des Zuschauers, der aufmerksam die Vorstellung verfolgt. Und auch in der Compagnie hat man doch immer den ein oder anderen, der den Befehlen nicht ganz folgt.

    Je nach Klangfarbe des Stückes verkörpern diese Tänzer die Emotionen. So fällt ein Tänzer inmitten der Gruppe ganz besonders auf. Dieser stellt den Begleiter unserer musikalischen Reise dar. Spannend ist zu beobachten, wie er als Außenstehender dazukommt anfängt, im Geschehen mitzuwirken scheint und doch erfahren muss, nur ein stiller Beobachter zu sein. Dieser Begleiter formt die Tänzer wie Marionetten, spiegelt damit die Befehlshaber – findet sich plötzlich wieder als einer der ihren – er lernt in der Compagnie den Zusammenhalt durch Freundschaft kennen – überzeugt die Gruppe zu einer besseren Wahl, bevor sie ihn doch verstoßen, ausgrenzen und ihren eigenen Untergang damit besiegeln. 

    So viele schwerwiegende Emotionen werden abrupt abgewendet mit dem Ende des Satzes. Wieder einmal ist der Raum gefüllt mit Stille, um sich voll und ganz einer einzelnen Tänzerin zu konzentrieren. Diese beginnt völlig allein an zu tanzen ohne musikalischer Untermalung. Auch unser Beobachter ist vor Ort. Neugierig beäugt er die Bewegungen der Tänzerin. Sechs weitere Tänzerinnen erscheinen und tanzen mit der ersten unisono. Die Musik setzt ein und unser Begleiter legt sich zu Boden. Er scheint eingeschlafen zu sein und die nun folgende Darstellung samt Musik entspringen wohl seinen Träumen. Die Musik wirkt frohlockend und hat eine Leichtigkeit, wie der Sommer selbst. Begleitet von Harfe und Oboe erscheint ein neuer Tänzer – das träumerische Ebenbild des Beobachters beginnt mit der anfänglichen Ballerina im Duett zu tanzen. Sie gleichen einem Liebespaar, während der Rest der Damen regungslos bleibt. Ein weiteres Paar gesellt sich dazu. Faszinierend werden aus den übrigen Tänzerinnen ein Bild der Landschaft und Tiefe gestaltet. Sie erscheinen wie die Bäume eines Waldes, durch denen die Paare sich bewegen. Durch das Zusammenspiel einzelner Bewegungen und Versetzungen im Raum wirkt es, als würde man gleich mehrere Landschaften durchschreiten. Zum Ende hin verstummt die Musik und die Tänzer entschwinden. So wie dieser Satz begonnen hat, endet es auch. Die Dame vom Anfang ist als Einzige zurückgeblieben. Der Beobachter erwacht aus seinem Schlaf und findet das gleiche Bild vor, wie er es zuletzt erfahren hat.  

    Ein neuer Satz beginnt. Wieder haben wir einen gefühlten Bühnenwechsel sowie eine neue Klangfarbe. Der Herbst zieht ein. Vier Tanzpaare und eine Dreiergruppe stehen auf der Bühne verteilt. Sie wirken wie die ruhenden Blätter an einem Baum. Ein Paar beginnt sich davon zu lösen und tanzt ein Pas de deux. Kaum zur Ruhe gekommen, beginnt das Dreiergrüppchen. Dies geschieht einheitlich mit dem Wechsel der musikalischen Gestaltung. Es erscheint somit immer wieder etwas Neues zu entdecken. Mit jeglicher Änderung des instrumentalen Spiels, ändert sich die Tanzfolge, die Tänzer und der Platz. Als würde der Wind die Blätter aufwirbeln, tanzen später alle und weitere Tänzer erscheinen auf der Bühne. Auch die Hauptfigur tanzt mit und möchte Teil dieser großen Bewegung sein. Später findet er sich mit einer Tänzerin sitzend am Boden wieder. Sie sitzen einander gegenüber und schauen sich tief in die Augen. Wieder einmal wird ohne Worte eine neue Ebene erschaffen. Die Gedanken, Gefühle und Handlungen, die eigentlich nur in den Köpfen der zwei entstehen, werden durch die Tänzer auf die Bühne projiziert. Ein einzelnes Paar spiegelt ihre Sehnsüchte, einen vergehenden Sommer im goldenen Herbst wieder. Sie finden zueinander, tanzen leidenschaftlich inmitten der aufwirbelnden Herbstblätter. Es birgt noch immer eine gewisse Form von Leichtigkeit. Nur scheint das Absterben der Blätter unausweichlich zu sein. So entschwindet auch die Dame, die an der Seite des Beobachters verweilt hat. Auch erschlafft die Tänzerin – das Spiegelbild – in den Händen des Tänzers, der sie zurücklässt. Wieder versucht der Beobachter ein weiteres Mal einzugreifen und den Verlust zu verhindern. Er eilt zur Ballerina und trägt letztlich doch nur noch den erschlafften Körper in seinen Händen. 

    Madoka Sugai, Alessandro Frola und Ensemble in »Dritte Sinfonie von Gustav Mahler« © Kiran West

    Wieder wird ein neues Bild erschaffen. Eine einzelne Tänzerin scheint in ihrem Raum gefangen zu sein. Sie empfindet Einsamkeit. Auch sind der Beobachter und ein weiterer Tänzer jeweils für sich. Scheinen so nah zu sein und sich dennoch nicht sehen zu können. Einsam in der Nacht entschwindet die Ballerina im Halbdunkel, während die beiden Männer sich langsam zur Musik begegnen. Es wirkt, als irrten diese Wesen allein umher in der Dunkelheit der Nacht. Letztendlich sind sie doch nicht allein, begegnen einander und auch die Ballerina findet zu ihnen. Der Klang einer Solistin ertönt. Sie tanzen behutsam zu dritt bis unser Hauptcharakter zwischenzeitlich wieder schläft und ein Pas de deux folgt. Auf den Schultern beider Männer scheint die Ballerina fast fliegen zu können. Träumend wirken die Sterne schon gar nicht mehr so fern. 

    Bim-Bam ertönt es plötzlich aus den Mündern eines Chores. Die dunkle Nacht scheint überstanden zu sein. Die drei Wesen beginnen wieder auf unterschiedlichen Wegen zu gehen und entfernen sich voneinander. Währenddessen erscheint die Ballerina vom Anfang. Eben diese, die bereits in Vergessenheit geraten ist. Plötzlich taucht sie wieder auf, tanzt quer durch den Saal und versprüht etwas Kindliches und Verspieltes. Sie erweckt die Aufmerksamkeit unseres Beobachters, aber verschwindet auch schon wieder bald. Neue Tänzer erscheinen dafür und füllen die Bühne. Es wird getanzt, wundersame Formen erstellt und letztendlich umarmen sich alle. Ein weiteres Mal erscheint der Engel. Das lebhafte, kindliche Verhalten weicht einer gereiften Anmut. Sie lässt unseren Beobachter erwachen, tanzt zuerst allein und später in einem romantischen Pas de deux mit ihm. Er hat die Hand des Engels ergriffen und scheint mit ihr in den Wolken zu tanzen. Alles erscheint ein perfektes Ende zu nehmen. Doch die Realität lehrt uns eines Besseren und man weiß einen freien Engel nicht auf Erden halten zu können. 

    Zweimal scheint die Ballerina zu entschwinden. Die Musik kündigt es bereits an. Der Beobachter baut mit seinem eigenen Körper ein schützendes Dach über sie. Beim ersten Versuch funktioniert dies sogar und sie können ein weiteres Mal im Duett tanzen. Doch beim zweiten Versuch ist er erfolglos und sie entzieht sich ihm. Der Engel kehrt zurück zu all den anderen Engeln und ist wieder Teil eines Größeren. Unser Begleiter wandelt zwischen ihnen und ihren Formen, verschwindet gar in der Versammlung dieser Übermenschen und begreift, dass er doch nur ein kleiner Beobachter in diesem Geschehen ist und letztendlich nichts verändern kann. 

    Olga Smirnova, Edvin Revazov und Ensemble in »Dritte Sinfonie von Gustav Mahler« © Kiran West

    Diese künstlerische Praline hat zahlreiche Facetten erschaffen. Der Zuschauer wird musikalisch und tänzerisch von den unterschiedlichsten Darbietungen verwöhnt. Eine Vielfalt an Ereignissen lassen die Zeit verstreichen wie im Flug. Wir sprechen hierbei von einer Vielfalt an musikalischer Gestaltung – von einem ruhenden Stillschweigen des Orchesters zur ruhigen andächtigen Komposition bis hin zur beschwingten Leichtigkeit und zu dramatischen Höhepunkten.
    So wird dies auch tänzerisch gespiegelt. Nicht nur haben wir eine kleinere Anzahl an Tänzer, bis hin zum Solo, sondern auch die komplette Aufstellung des Ensembles. So viele Tänzer und Tänzerinnen auf der Bühne zu sehen, die gemeinschaftlich dieses Projekt präsentieren, bereitet wahre Freude. Jeder einzelne ist ein wichtiger Punkt im Gesamten. 

    Anna Kröger

    Für mein erstes richtiges Ballettstück, wobei ich live dabei sein durfte, war es ein aufregender und einzigartiger Moment. Das Ballett war nicht nur mit unzähligen talentierten Tänzern gefüllt, sondern wurde auch mit unendlich viel Leidenschaft und Emotionen bereichert. Jede Gestik und Mimik der Tänzer fühlte sich flüssig und aufbauend an – weniger als ein einstudiertes Stück und mehr wie eine persönliche Geschichte. Das Besondere an diesem Stück ist, dass keine festgeschriebene Handlung existiert. Jeder Zuschauer ist gezwungen eine eigene Interpretation zu gestalten, die von nichts beeinflusst wird, außer von den eigenen Gedanken, Erlebnissen, Beziehungen – vom eigenen Leben. Dementsprechend werden die Zuschauer automatisch ein Teil der Vorstellung und Teil der Handlung.

    Auffallend sind auch die vielen verschiedenen Lichtverhältnisse, die im Stück teilhaben. Vor allem ist ein leuchtendes Blau immer wieder im Hintergrund in Form einer Leuchtwand oder von der Decke als Lichtstrahl auffindbar. Das Blau wurde auch in den Kostümen übernommen, genauso wie viele weitere Farben, die eine überraschende Harmonie widerspiegelten und passend zu jedem Akt und zu jeder Rolle ausgewählt wurden. Sehr interessant ist zudem die Konstellation der Tanzgruppen. Während jeder Tänzer zu einer Gruppe oder Duo gehörte, stach der Hauptcharakter nicht nur mit seinem Kostüm heraus, sondern auch, da er in jedem Akt auf der Bühne zu sehen ist. Entweder tanzt er oder er liegt am Rand der Bühne – zu sehen ist er aber stets.

    Karen Azatyan und Ensemble in »Dritte Sinfonie von Gustav Mahler« © Kiran West

    Die Vorstellung hatte eine reichhaltige Vielfalt von verschiedenen Tanzelementen – Hebefiguren, Sprünge, Bodentanz usw. Es war sehr interessant, die vielen verschiedenen Facetten vom Ballett zu beobachten. Außerdem gab es viele Elemente, die man vom traditionellen Ballett nicht wirklich kennt. Neues zu sehen war sehr erfrischend und spannend.

    Etwas, was sicherlich jeden im Saal sehr beeindruckt hat, waren die Hebefiguren der Tänzer. Sie sahen nicht nur sehr gigantisch und eindrucksvoll aus, sondern auch sehr kompliziert und stark – etwas, was man sicherlich nicht in jedem Ballettstück sehen wird.

    Der größte Aspekt, den das Ballett ausmachte, war natürlich die beeindruckende Musik von Gustav Mahler. Hier gab es sehr viel Vielfalt an Instrumenten, aber auch an Eigenschaften. Die Musik war sehr abwechslungsreich. Vor allem beim Beginn des Stückes spielte die Musik laut, intensiv und kräftig, was eine sehr beeindruckende Wirkung auf den Zuschauer hatte. Durchaus war die Musik auch zärtlich, ruhig und elysisch, was eine träumerische und zauberhafte Wirkung bei den Zuschauern hinterließ. Es war durchaus ein Zusammenspiel, aber auch eine Mischung aus beiden Musikrichtungen.

    Imposant waren auch die Momente, in denen keine Musik gespielt wurde und der Raum der Stille ausgesetzt war. Alles, was man hörte, waren die Tanzschritte und die Spitzenschuhe der Tänzer. Dies erzeugte eine ganz neue Sensation und das Gefühl, dass die Tänzer immer näher kommen.

    Das Ballettstück ist sehr empfehlenswert, wenn man verschiedenen Kontraste in der Tanzkunst, aber auch in der Musik erleben möchte. Zudem wird die eigene Kreativität beansprucht, da man eine weite Interpretationsfreiheit hat. Es ist ein sehr schönes und gefühlvolles Ballett, was einen sehr bewegt.

    Sandra Chiolo, 19 Jahre

  • BallettTester*innen »Liliom«

    BallettTester*innen »Liliom«

    Als BallettTester*innen durften Nicklas, Emily und Johanna unsere Wiederaufnahme bereits in der Hauptprobe erleben. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.

    »Die Musik und der Tanz sind zwei Künste, die in genauer Verbindung mit einander stehen.« -Molière-

    Mit dem Ballett »Liliom« entführt John Neumeier das Publikum in die Welt des Schaustellermilieus. Am 20.02.2022 wird das Ballettstück im großen Saal der Staatsoper Hamburg wiederaufgenommen. Die dazugehörige Musik ist ein Auftragswerk des Filmmusikkomponisten Michel Legrand, welcher zwölf Mal für einen Oscar nominiert wurde und diesen drei Mal erhielt. Insgesamt schrieb er Musikstücke zu etwa 200 Kino- und Fernsehfilmen sowie auch für »Liliom«. Er lässt Jazz und Klassik virtuos verschmelzen und hinterlässt ein Feuerwerk beider Genres in den Ohren des Zuschauers. Das Bühnenbild entwarf Ferdinand Wögerbauer, die Kostüme John Neumeier. Die Hauptrollen wurden mit Karen Azatyan als Liliom, Alina Cojocaru a.G. als Julie und Louis Musin als Sohn von Julie besetzt. Die musikalische Leitung wurde von Nathan Brock vertreten. Bereits seit Dezember 2011 gibt es diese Inszenierung, nun kehrt diese für eine Wiederaufnahme in die Staatsoper Hamburg zurück.

    Florian Pohl als Mann mit den Luftballons und Louis Musin als Louis © Kiran West

    »Liliom«  ist ein Ballettstück mit einer fesselnden Choreographie der Melancholie, Lebensfreude, Trauer und des Schmerzes. Es ist ein Wechselbad der Emotionen und lehrt uns etwas über Tanz, Musik und die damit verbundene Ausdrucksstärke. Dieses Ballett ist ein Stück des Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen. Das Bühnenbild »Playland« ein Meer aus Farben und der Liebe zum Detail lädt den Zuschauer unmittelbar dazu ein den altbekannten Jahrmarkt aus Kindheitszeiten wieder zu betreten. Zusammen mit den Kostümen ergibt es ein großes Ganzes, das seinesgleichen sucht – das Publikum.

    In melancholischer Atmosphäre betritt ein Mann mit Luftballons langsam und achtvoll die Bühne, es folgt das erste Erscheinen der Protagonisten Liliom, Julie sowie Ihrem Sohn Louis und die Geschichte beginnt. Das Bühnenwerk zieht den Zuschauer unmittelbar in seinen Bann und der Einfluss von Michel Legrand´s Tätigkeit als Filmkomponist und dessen Discographie wird sofort hörbar. Die NDR Bigband als auch das Philharmonische Staatsorchester werden gemeinsam zu einer übergreifenden Einheit und somit zum Zusammenschnitt beider. John Neumeier gelingt eine Erzählung über Liebe, Lebensfreude, Hass, Rachsucht und Angst mit den Synergien von Tanz und Musik. »Liliom« ist ein künstlerisch musikalisches Werk, das seinen Applaus zum Ende der Vorstellung in jeder Sekunde verdient.

    Nicklas

    Am Freitag, den 18.02.22 durfte ich bei der Hauptprobe von »Liliom« als Testerin dabei sein. Als ich in der Staatsoper ankam, wurde ich sehr nett empfangen.

    Karen Azatyan als Liliom, Anna Laudere als Frau Muskat und Ensemble in der bunten Kulisse des Jahrmarkt »Playland« © Kiran West

    Der Anfang vom Stück ist sehr spannend und bewegend. Die leise Musik, das geheimnisvolle Licht mit dem Nebel. Dazu das Bühnenbild und die Atmosphäre sind spitze. Die Tänzer bewegen sich so grazil und leise, dass ich dachte, sie würden fliegen. In manchen Momenten musste ich sogar ein bisschen lachen, weil das Stück auch witzig ist. Alle Tänzer waren so synchron, dass ich an manchen Stellen dachte, dass sie vielleicht Marionetten wären. Auch die Kostüme der Tänzer waren farbenfroh und detailliert. Die Tänzer haben super mega toll getanzt. Dass sich Jazz und Klassik abgewechselt haben, verleiht dem Stück noch etwas Besonderes. Superklasse. Ich kann das für jeden empfehlen, der Spaß am Ballett hat.

    Johanna, 11 Jahre

    Es war Freitag, der 18. Februar 2022, als ich mit zwei weiteren Ballett-Tester*innen die Hauptprobe von »Liliom« sah und erlebte. Das Ballett von John Neumeier hatte seine Uraufführung 2011 und ich hatte das Glück, bei der Wiederaufnahme dabei sein zu dürfen. Wir wurden von zwei sehr freundlichen Mitarbeiterinnen empfangen, die uns gleich in den Saal führten. Die Stimmung war von der ersten Sekunde an total beeindruckend und es war spannend, einmal das »Behind the Scene« zu erleben! Das Orchester probte wild durcheinander, ein paar Tänzer*innen standen auf der Bühne und gingen nochmal letzte Schritte durch, letzte Techniksachen wurden überprüft und andere wenige Zuschauer*innen begaben sich in den Saal. Zu sehen waren unter anderem Liliom (getanzt von Karen Azatyan), Julie (getanzt von Alina Cojocaru) und ihr Sohn Louis (getanzt von Louis Musin).

    Karen Azatyan als Liliom und Alina Cojocaru als Julie © Kiran West

    Als es begann, löste die Gesamterscheinung schnell ein Gefühl von Nostalgie in mir aus, das »Playland« schien eine Welt zu sein, in der man dem Alltag und den Problemen entfliehen kann und wo es von fröhlichen Menschen nur so wimmelt. Die Menschen erlebten in den 1930ern die große Depression und kämpften gegen Armut an. Verzweiflung brach aus, das wird in John Neumeiers Ballett deutlich dargestellt. Das einerseits sehr farbenfrohe, aber andererseits graue Bühnenbild von Ferdinand Wögerbauer hat mir sehr dabei geholfen, den großen Kontrast zwischen der Hoffnung und der tragischen Realität der Menschheit zu verstehen. Als die eifersüchtige Karussellbesitzerin, Frau Muskat, Liliom kündigt und er somit keine Einkünfte mehr hat, scheint der Frauenschwarm von nun an in einer permanenten Auseinandersetzung mit sich selbst zu sein. Dass seine Julie ein Kind erwartet, lässt seine Perspektive auf eine Besserung noch kleiner werden; er findet keinen Ausweg aus seiner Hilflosigkeit und ersticht sich schließlich auf der Hochzeit von Julies guten Freundin Marie. Julie ist in tiefer Trauer und obwohl Liliom nie fähig war, ihr seine Liebe zu zeigen, gab sie ihn nie auf und hielt selbst noch lange nach seinem Tod zu ihm. Während des ganzen Ballettstücks über war ich fasziniert davon, wie intensiv die Emotionen, die die Tänzer*innen vermittelten, bei mir ankamen. Ein hervorzuhebender Moment war, als plötzlich die NDR Bigband in dem Café des »Playland« zu hören und zu sehen war. Mir hat die Zusammenstellung aus klassischer Musik (Philharmonisches Staatsorchester Hamburg) und Jazzmusik (NDR Bigband) besonders gefallen, denn es hat die Handlungen und die Emotionen sehr passend und gut unterstützt.

    Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir die Ballettinszenierung außerordentlich gut gefallen hat. Ich bin sowohl von den Hauptdarsteller*innen, als auch von der gesamten Compagnie sehr beeindruckt und bewundere ihre Kunst sehr. Bei Tanz ist mir wichtig, dass man anhand des Körpers in Kombination mit der Musik und des Raumes spricht und Geschichten erzählt. Dies ist den Tänzer*innen meines Erachtens nach auf beeindruckende Weise gelungen. Hervorheben möchte ich die Leistung der gesamten Compagnie, die es versteht, jede Vorstellung einzigartig zu machen. Das Ballett blieb aufgrund der tragischen Handlung spannend, hatte aber dennoch viele hoffnungsgebende und befreiende Momente, die einen selbst aus dem eigenen Alltag rausgeholt und in eine andere Welt gebracht haben.

    Emily, 19 Jahre

  • BallettTester »Ein Sommernachtstraum«

    BallettTester »Ein Sommernachtstraum«

    Als BallettTester durften Paula, Elise und Ole unsere Wiederaufnahme bereits in der Hauptprobe erleben. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.

    »Seid ihr denn des Wachens auch gewiss? Mir scheint’s wir schlafen, wir träumen noch.« (Ein Sommernachtstraum, IV Akt, I Szene)

    Am Freitagabend ging für mich ein Traum in Erfüllung. Im wahrsten Sinne des Wortes: Denn ich durfte mir zusammen mit zwei weiteren BallettTestern die Hauptprobe von »Ein Sommernachtstraum«, eine Wiederaufnahme des Hamburg Ballett, in der Staatsoper Hamburg ansehen. Nachdem wir sehr freundlich im Foyer der Staatsoper begrüßt wurden, öffnete sich pünktlich um 17:00 Uhr der Vorhang und der Prolog des Stückes begann.

    Das Stück beginnt mit den Hochzeitsvorbereitungen der Vermählung von Hippolyta (Alina Cojocaru) und Theseus (Christopher Evans). Hier bleibt vor allem die 8,5 meterlange Schleppe im Gedächtnis, die Hippolyta trägt, als sie sich, mit dem Rücken gewandt zum Publikum, im Spiegel betrachtet. Nachdem alle Vorbereitungen für die Hochzeit beendet sind, schläft Hippolyta auf einem Sofa ein und beginnt zu träumen.

    Demetrius, Helena, Puck, Lysander und Hermia im Feenwald © Kiran West

    Nach dieser schön inszenierten Einleitung, verwandelt sich das Bühnenbild in einen düsteren Feenwald, in dem sich Elfenkönig Oberon (Christopher Evans), Feenkönigin Titania (Alina Cojocaru) und der Elf Puck (Alexandr Trusch) aufhalten. Auch wenn das Bühnenbild im ersten Moment vielleicht schlicht wirkt, bleibt es nicht lange so. Durch die Tänzer wird der Wald zum Leben erweckt. Zudem bekommt alles durch die glitzernden Kostüme von Oberon und Titania etwas Magisches.

    In diesem Wald trifft sich das junge Paar Hermia (Madoka Sugai) und Lysander (Matias Oberlin). Hermia wird allerdings von Demetrius (Alexandre Riabko) verfolgt, der ebenfalls in sie verliebt ist. Demetrius wird wiederum von Helena (Leslie Heylmann) verfolgt, die in diesen verliebt ist. Elfenkönig Oberon bekommt das alles mit und beauftragt Puck damit Demetrius mit einer Blume zu verzaubern, damit dieser sich in Helena verliebt. Doch anstelle von Demetrius trifft Puck Lysander, der nun zu Hermias Leidwesen nur noch Augen für Helena hat. Ein riesiges Liebeschaos beginnt, das choreografisch sehr charmant dargestellt wird.

    Die Handwerkergruppe in »Ein Sommernachtstraum« © Kiran West

    Ab und zu zieht auch noch eine Gruppe von Männern mit einer Drehorgel durch den Wald, die zu Ehren von Hippolytas und Theseus Hochzeit ein Theaterstück aufführen wollen und im Wald einen Platz zum Proben suchen. Aus Spaß verwandelt Puck den Kopf von dem Anführer der Gruppe Zettel (Marc Jubete) in den eines Esels und Titania verliebt sich, ebenfalls durch Pucks Zauberblume, in diesen.

    Auch wenn der Titel des Stücks nach einem Traum verlauten lässt, ist die Handlung alles andere als einschläfernd! Enden tut das Stück mit einer riesigen Hochzeit, die durch wunderschöne Tänze, dem Grand Pas de deux von Hippolyta und Theseus und dem humorvollen Stück von Zettel und seiner Handwerkergruppe zum wahren Spektakel wird.

    Alles in allem ist die Inszenierung einfach ein (Sommernachts-) Traum! Meiner Meinung nach wird Shakespeares Komödie sehr liebevoll und mit viel Witz und Charme in Szene umgesetzt. Es lohnt sich also auf jeden Fall nicht nur für Shakespeare- und Ballettliebhaber sich von diesem Stück verzaubern zu lassen!

    Paula Wegner, 22 Jahre

    Ich bin Elise, 11 Jahre alt. Ich habe mir das Ballettstück »Ein Sommernachtstraum« angesehen und das ist meine Meinung dazu:

    Am Anfang war es etwas schwierig der Handlung zu folgen, weil die wichtigen Szenen oft gleichzeitig oder ganz schnell hintereinander stattfanden. Der Traum und die Wirklichkeit waren gut voneinander zu unterscheiden, gingen aber auch gut ineinander über. Am Ende wurde es etwas schleppend, da sich circa 40 Minuten nur um die Hochzeit drehten. Trotz dieser Kritik würde ich mir das Ballettstück auch noch einmal ansehen, weil es viel zu sehen und hören gibt.

    Das Ensemble als Feen und Elfen in »Ein Sommernachtstraum« © Kiran West

    Um auf das Hören zurückzukommen: das Orchester, das vor der Bühne im Graben spielte, hörte sich toll an. Die Musik passte perfekt zu der jeweiligen Stelle und weckte immer die gefragte Emotion. Das »Sehen« war auf die Tänzer, die eine tolle Leistung gebracht haben, zurückzuführen. Was mich am meisten beeindruckte: Die Kostüme und die Bühnenbilder, die fantastisch zu der jeweiligen Stelle passten. Immer wieder habe ich mich gefragt, wann die Tänzer den Baum u.a. weggeschoben haben, weil die ganze Zeit etwas passiert ist und man das gar nicht mitgekriegt hat. Außerdem kam mir die Bühne riesig vor, weil sie nicht zu vollgestellt war. Ich war überrascht, dass die Tänzerinnen und Tänzer in solchen Kleidern, besonders dem mit der langen Schleppe, tanzen konnten und es hat mir sehr viel Spaß gemacht dieses Ballett zu sehen. Wie schon gesagt, ich würde das Ballett gerne noch einmal erleben, um alles zu sehen und zu verstehen und vor allem aus Spaß. Ein großes Lob an die Tänzerinnen und Tänzer und an die Organisatoren und Macher dieses Stückes. Danke, dass ich das hier schreiben konnte!

    Elise Weber, 11 Jahre

    Die Neugier hat mich hierhergeführt.

    Es ist mein erstes Mal im Ballett überhaupt und dann gleich zu so einem Hochkaräter. »Ein Sommernachtstraum« kenne ich sehr gut, ich habe selbst schon Lysander im Theater gespielt und weiß, wie verwirrend dieses Stück von Shakespeare sein kann.

    Ich hoffe, dass ich dem Stück gut folgen kann, auch ohne den Gebrauch von Sprache. Auf der Bühne passiert viel zur selben Zeit und ich habe anfangs Orientierungsschwierigkeiten und versuche zu verstehen, wo die wirkliche Handlung stattfindet. Mit meinen Augen probiere ich überall gleichzeitig zu sein; was mich anfangs irritiert, wird zunehmend verständlicher, ich lasse es einfach auf mich wirken. Die beeindruckenden Tanzszenen kann ich noch nicht selbst erkennen, sondern merke es erst in dem Moment, wo die Fotografen wie verrückt auf den Abzug drücken und das Klackern der Kameras von allen Seiten kommt. Ich sitze mittendrin.

    Alina Cojocaru und Christopher Evans als Titania und Oberon © Kiran West

    Dennoch merke ich, wie viel ich wiedererkenne und verstehe. Es sind wirklich beeindruckende Szenen, die sich da abspielen; vor allem die Szenen von Oberon, Titania und dem frechen Puck. Sie haben etwas Mystisches im Vergleich zu den pompösen Szenen der anderen Akteure. Eine ganz andere Facette der Inszenierung sind die Handwerker, die es schaffen dem Ballett auch etwas Witziges zu verleihen. Nach dem langen und großartigen Finale bin ich sprachlos und weiß nicht so recht, was ich darüber sagen soll. Es wirkt ein bisschen so, als hätte ich drei ganz unterschiedliche Arten von Ballett gesehen, die aber am Ende in der Hochzeitsszene zusammengeführt werden.

    Es hat mich überrascht, wie man Shakespeare auch ohne seine beeindruckenden Texte auf die Bühne bringen und wie viel allein der Tanz an Emotionen und auch an Handlung rüberbringen kann.  Das Ballett im Allgemeinen wird es nicht schaffen den Platz des Theaters in meinem Herzen einzunehmen, aber die vielen Inszenierungen von John Neumeier, die ihren Ursprung bei Shakespeare haben, haben mein Interesse geweckt und es wird nicht mein letzter Besuch im Ballett gewesen sein!

    Ole Feldvoss, 20 Jahre

  • BallettTesterinnen »Sylvia«

    BallettTesterinnen »Sylvia«

    Als BallettTesterinnen durften Emma und Victoria unsere Wiederaufnahme bereits in der Hauptprobe erleben. Hier erzählen sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.

    Ich war gestern beim Ballett »Sylvia« und es war sehr schön.

    Beim Tanzen konnte man den Charakter der Figuren erkennen, beispielsweise die Nymphen. Die Nymphen tanzen wie stolze Wesen. Bei der ersten Szene sieht man, wie die Nymphen Bogenschießen, was mich ordentlich einschüchterte.

    Madoka Sugai als Nymphe Sylvia, Anna Laudere als Göttin Diana und das Ensemble © Kiran West

    Sylvia war für mich eine neugierige aber auch zielstrebige Figur. Ihre Neugierde erkannte ich, als sie zum ersten mal den Wald verlässt und eine andere Welt sieht.
    Die Kostüme passten zur Kulisse, beispielsweise die grünen Kleider zum Wald oder die schwarz-, rot- oder blauen Kleider zur modernen Welt. Die Musik und die Choreographie waren ebenfalls gut. Wenn es fröhliche Musik war, gab es leichte Sprünge und bei dramatischer Musik wurden wütende Sprünge und hetzende Bewegungen gemacht.

    Alles im Stück war sehr schön.

    Emma Marja Lotte Hartkopf, 12 Jahre

    Dank der Aktion BallettTester der Staatsoper Hamburg durfte ich am 03.09. gemeinsam mit einer weiteren jungen BallettTesterin bei der Hauptprobe der Wiederaufnahme des Balletts »Sylvia« von John Neumeier dabei sein. Eine Wiederaufnahme, so wurde uns erklärt, sei es, da das Ballett 1997 bereits aufgeführt worden war. »Sylvia« ist meine erste Balletterfahrung und ich hatte Schwierigkeiten, mir vorzustellen, wie ein Stück ganz ohne Text, nur mit Musik und Tanz funktionieren kann. Es hat mich überrascht, wie nachvollziehbar die Handlung und wie mehrdimensional die Figuren gerade in der Abwesenheit erklärender Sprechtexte geblieben sind.

    Madoka Sugai als Sylvia und Alexandr Trusch als Schäfer Aminta im dritten Akt © Kiran West

    Im Zentrum des Balletts steht die junge Nymphe Sylvia, beeindruckend getanzt von Madoka Sugai, die mit den geschickten Jägerinnen der Göttin Diana durch den Wald zieht und sich in der Jagd übt. Als sie eines Nachts dem Schäfer Aminta begegnet, der sich in sie verliebt, entdeckt Sylvia, geführt vom Gott der Liebe Eros (besonders ausdrucksstark und berührend getanzt von Christopher Evans), eine Welt außerhalb des mystischen Waldes und muss sich entscheiden, ob sie den jungfräulichen Jägerinnen und ihrer Mentorin Diana treu bleibt oder ihre Sinnlichkeit entdeckt.

    Das in Komplementärfarben gehaltene Bühnenbild von Yannis Kokkos unterstreicht die geheimnisvolle Atmosphäre des Nymphenwaldes und Sylvias inneren Konflikt. Mal tauchen blaue Schatten die Bühne in silbriges Mondlicht, mal betonen die Silhouetten der Tänzer*innen vor gelbem Grund den mythologischen Ursprung der Figuren. Doch auch ohne umfangreiches Hintergrundwissen um die griechische und römische Mythologie bleibt das Ballett verständlich.

    Sylvia im Tanz mit Eros/Orion (Christopher Evans) © Kiran West

    Der erste Akt beginnt schon vor der Aufführung mit dem schlafenden Endymion. Wach ist man als Zuschauer*in aber spätestens, wenn die erste Nymphe amazonenhaft von außerhalb der Bühne, fast schon aus dem Publikum heraus, den ersten Pfeil abschießt und die Jägerinnenschar unter Gebrüll auftritt. Ästhetisch und kraftvoll choreografiert springen die Tänzerinnen anmutig, mit Bögen bewaffnet in die Höhe und präsentieren ihr kriegerisches Können. Im Kontrast dazu entdeckt Sylvia, gekleidet in wallenden burgunderroten Samt, im zweiten Akt eine andere, zarte und sinnliche Seite der Weiblichkeit. Untermalt wird das Ballett von Léo Delibes Kompositionen, die mir auch als Ballettneuling überraschend bekannt vorkamen.

    »Sylvia« hat mich, begeistert und beeindruckt nach drei Akten voller Poesie und Leidenschaft, wieder in die Realität entlassen und ich bin sicher, dass das nicht mein letztes Balletterlebnis gewesen ist.

    Victoria Bernetière, 24 Jahre

  • BallettTester*innen für »Sylvia« gesucht

    BallettTester*innen für »Sylvia« gesucht

    Die Ballett-Tester*innen gehen in die nächste Runde: Erlebe John Neumeiers Ballett »Sylvia« vor allen anderen – wir vergeben 3 Plätze für die Hauptprobe am 3. September um 17 Uhr in der Staatsoper!

    Was macht ein*e BallettTester*in?
    Wir wollen von Dir wissen, wie Du das Ballett erlebt hast: Was hat Dich an der Inszenierung beeindruckt? Wie hat Dir der Tanz gefallen? Und wie hast Du die Musik empfunden? Dein Bericht wird hier auf dem Hamburg Ballett-Blog veröffentlicht – so kannst Du Deine Eindrücke und Erlebnisse mit anderen teilen.

    Wie werde ich BallettTester*in?
    Du bist zwischen 10 und 30 Jahre alt und hast an dem Termin Zeit? Dann melde dich ab sofort an. Schreib uns bis Montag, 23. August, eine Mail an schausdiran@staatsoper-hamburg.de mit ein paar Angaben zu Dir und sag uns, warum Du unbedingt dabei sein möchtest. Unter allen Einsendungen verlosen wir drei Plätze für die Hauptprobe. Die Gewinner*innen werden am 24. August von uns benachrichtigt.

    Termin:
    John Neumeier »Sylvia«
    Freitag, 3. September 2021, 17.00 Uhr
    Hauptprobe, Staatsoper Hamburg (Großes Haus)
    Für Tester*innen zwischen 10 und 30 Jahren

    Wir freuen uns auf Dich!

  • Ballett-Tester für »Ein Sommernachtstraum« gesucht!

    Ballett-Tester für »Ein Sommernachtstraum« gesucht!

    Die Ballett-Tester gehen in die nächste Runde: Erlebe John Neumeiers Ballettklassiker »Ein Sommernachtstraum« vor allen anderen – wir vergeben 3 Plätze für die Hauptprobe am 6. September um 17 Uhr in der Staatsoper!

    Was macht ein BallettTester?

    Wir wollen von Dir wissen, wie Du das Ballett erlebt hast: Was hat Dich an der Inszenierung beeindruckt? Wie hat Dir der Tanz gefallen? Und wie hast Du die Musik empfunden? Dein Bericht wird hier auf dem Hamburg Ballett-Blog veröffentlicht – so kannst Du Deine Eindrücke und Erlebnisse mit anderen teilen.

    Termin:

    John Neumeier »Ein Sommernachtstraum«
    Freitag, 6. September 2019, 17.00 Uhr
    Hauptprobe, Staatsoper Hamburg (Großes Haus)
    Für Tester zwischen 10 und 30 Jahren


    Wie werde ich BallettTester?

    Du bist zwischen 10 und 30 Jahre alt und hast an dem Termin Zeit? Dann melde dich ab sofort an. Schreib uns bis Montag, 2. September, eine Mail an schausdiran@staatsoper-hamburg.de mit ein paar Angaben zu Dir und sag uns, warum Du unbedingt dabei sein möchtest. Unter allen Einsendungen verlosen wir drei Plätze für die Hauptprobe.

    Wir freuen uns auf Dich!

  • BallettTester »All Our Yesterdays«

    BallettTester »All Our Yesterdays«

    Als BallettTesterinnen durften Jona und Evelyn unsere Wiederaufnahme »All Our Yesterdays« bereits am Freitag in der Hauptprobe erleben. Hier erzählen sie von ihren Eindrücken.

    Die langen Treppen, die roten, samtigen Sessel, die Logen und das tönende Orchester. Und ich mitten im Raum, die Bühne nur verschwommen sichtbar, alles wirkte groß und unreal auf mich. Die Bühne so weit weg und ich erwartete, dass die Tänzer genau so weit entfernt und klein aussehen würden. Doch dann kamen die ersten Tänzer und die Musik, alles war auf einmal anders, sehr groß und überwältigend. Die Melodie und der Gesang schallten laut durch den ganzen Raum und drangen bis tief in meine Ohren. Die Tänzer wirkten erhaben, sie nahmen die gesamte Bühne ein.

    Ich versuchte, eine Handlung wahrzunehmen und Zusammenhänge zu erschließen. Zwar nahm ich so etwas wie Soldaten und Mädchen wahr und ihre Verbindungen zueinander, erschuf in meinen Gedanken eine Handlung. Jedoch wurden diese immer wieder verworfen durch neue szenische Darstellungen.

    In der Pause nahm ich mir das Programmheft und begann zu lesen. Es stellte sich heraus, dass sich mein Bewusstsein nicht geirrt hatte, da das Stück tatsächlich keine greifbare Handlung hat. Mit dem Wissen begann ich, mich anders auf das Stück einzulassen, mehr auf die Tänze und die Darstellung und weniger auf die Handlung zu fixieren.

    Im zweiten Teil wurde auf die stimmliche Begleitung verzichtet, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Die gesamte Inszenierung hat mir mehr zugesagt, vor allem die eleganten Kleider. Die Solos und die Paare waren wunderbar und haben toll harmoniert, insbesondere eins hat mich stark beeindruckt. Mit welcher Leichtigkeit sie sich durch den Raum bewegt haben, war magisch.

    Jona Lotte Knippenberg, 14 Jahre

    Szene aus »All Our Yesterdays« ©Kiran West

    Die Ballettprobe am Freitagabend war eine neuartige Erfahrung für mich. Als Austauschschülerin aus China ist Ballett kein üblicher Teil meines Lebens. Als ich 14 Jahre alt war, habe ich meine bisher erste und einzige Ballettaufführung in China gesehen. Das war »Schwanensee«, getanzt von einer russischen Tanzcompanie. In Hamburg war ich jetzt als BallettTester das erste Mal bei einer Ballettprobe in einem richtigen Theater.

    Das Stück »All Our Yesterdays« setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Sie bestehen sowohl aus klassischem als auch modernem Ballett, was ich ganz besonders fand. In jedem Stück waren viele verschiedene, ausgezeichnete Balletttänzer und -tänzerinnen zu sehen. Als etwas ganz Besonderes habe ich die musikalische Begleitung durch das Orchester und die beiden Sänger erlebt. Diese Livemusik erzeugte bei mir ein ganz anderes Gefühl als Musik vom Tonband.

    Ich selber tanze kein Ballett und kann daher nur erahnen, wie schwierig die Darbietung für die Tänzer war. Bei den Darstellern wirkte jedoch nichts schwer, sondern alles war elegant. Besonders die graziösen Fuß- und Handstellungen haben mich fasziniert. An den erstaunlichen Sprüngen und Drehungen konnte ich erkennen, dass es ein Ballett von sehr hohem Niveau war. 

    Szene aus »All Our Yesterdays« ©Kiran West

    Von den zwei Teilen war mein persönlicher Favorit der erste: »Soldatenlieder«. Verglichen mit dem zweiten Teil, bei dem ich keine zusammenhängende Handlung erkennen konnte, hat »Soldatenlieder« für mich eine Geschichte, die ich verstanden habe. Auch hat mir hier die sehr emotionale Darstellung gefallen. Die Musik wirkte zunächst leicht und glücklich, ist dann immer schwerer und schwerer geworden und am Ende war sie richtig traurig. Dazu passend hat sich auch der Tanz verändert: Die Gruppentänze wirkten fröhlich, die Solotänze melancholisch. Besonders die Choreografie der Gruppentänze hat mich beeindruckt.

    Bühnenbild und Licht waren sehr schlicht. Auch die Kostüme waren nicht so typisch, wie ich sie bei einer Ballettaufführung erwartet hätte. Ich empfand sie als eher unauffällig, wobei die Farbzusammenstellungen durchaus interessant waren und Rückschlüsse auf die Geschichte zuließen. Bei dem zweiten Teil »Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler« gab es die auffälligsten Kostüme, die mit ihren Farben und Schnitten besonders bei den Sprüngen einen tollen Bühneneffekt produziert haben.

    Insgesamt war der Abend ein tolles Erlebnis für mich und ich bin dankbar, dass ich BallettTester sein konnte. Gerne würde ich weitere Stücke des Hamburg Ballett sehen und freue mich auf meinen nächsten Besuch.

    Evelyn Zhou, 16 Jahre

  • BallettTester »Orphée et Eurydice«

    BallettTester »Orphée et Eurydice«

    Als BallettTesterinnen durften Louisa, Sina und Lucy bereits am Freitag John Neumeiers Inszenierung von Glucks Oper »Orphée et Eurydice« während der Hauptprobe erleben. Auf unserem Blog und dem Blog der Staatsoper berichten sie von ihren Eindrücken.

    Als der Vorhang aufging, fühlte ich mich so, als würde ich mitten in einer Ballettprobe sitzen. Das einfache Bühnenbild, welches sich an jede Szene anpasste, ließ einen in die Geschichte eintauchen. Ich konnte den Schmerz von Orpheus gut nachvollziehen, als seine geliebte Eurydike starb. Diese Eingangsszene gefiel mir sehr, da man sich in alle Trauernden, welche Schwarz gekleidet auf der Bühne tanzten, hineinversetzen konnte. Das dramatische Bühnenbild mit dem im Nebel stehenden Auto im Hintergrund und die lange Arie, in der sich Orpheus seinem Gefährten Amor anvertraut, berührt einen sehr.

    Als die beiden sich schließlich auf den Weg in die Unterwelt machen, ließen einen die Furien, welche fantastische, mit glitzernden Steinen besetzte Kostüme trugen, regelrecht zusammenzucken. Diese tanzten ausdrucksstark und aggressiv. Man konnte erkennen, dass sie sich gegen Orpheus stellten und versuchten, ihn von seiner Geliebten fernzuhalten. Doch der singende Orpheus brachte sie zum Schmelzen.

    Als Orpheus nach seiner langen Reise durch die Unterwelt endlich bei Eurydike ankommt, rührt einen die Szene zu Tränen. Dass er sich nicht umdrehen darf, macht einen wütend. Man fühlt den Schmerz von Eurydike, die an der Liebe von Orpheus zweifelt, und erlebt, wie Orpheus mit sich ringt und sich eigentlich zu seiner Geliebten umdrehen will.

    Das Ende fand ich wunderschön und tröstlich: Denn die Botschaft, dass die geliebten Seelen immer mit einem sind, egal was man tut und wo man sich gerade befindet, erreicht einen durch die immer wieder als Braut erscheinende Eurydike sehr gut. In jeder alltäglichen Situation wie zum Beispiel im Ballettsaal steht sie, unsichtbar für die anderen, neben ihm und drückt die immerwährende endlose Liebe der beiden aus.

    Louisa, 14 Jahre

    Orphée et Eurydice © Kiran West

    Die schöne Eurydike stirbt! Dargestellt als Autounfall. Die Zuschauer hören passende Geräusche dazu, im nächsten Moment steht ein kaputter Kleinwagen auf der Bühne und die leblose Eurydike liegt davor. Die Trauer wird durch die schwarze Kleidung der Tänzer eingefangen.

    Das Bühnenbild ist sehr klar und einfach. Deutlich ist für mich eine moderne Struktur zu erkennen. Bei manchen Szenen sieht es sogar fast futuristisch aus. Weiße Wände und Spiegel geben dem Raum auf der Bühne eine klare Linie und doch eine Weite. Aktiv werden alle beim Steuern des Bühnenbilds mit eingebunden. Tänzer schieben Wände, sind Deko und Darsteller zugleich. Ohne viel Steuerung von außen kommt das Bühnenbild hier aus, so wirkt es zumindest auf die Zuschauer.

    Beim Betreten der Totenwelt muss Orpheus Furien und Geister mit seinem Gesang überzeugen. Alle sind in weiß gekleidet. Am besten gefallen mir hier aber die drei schwarzen Wächter! Ihre Kostüme sind Ganzkörperanzüge, die selbst das Gesicht aus unserer Entfernung nicht klar erkennen lassen. Ihre Bewegungen erscheinen wie ein Spiel miteinander – herausragende Rollen und Leistungen der drei Kreaturen! Sie haben mich am meisten beeindruckt am Abend.

    Als die wiedervereinten Liebenden sich auf den Weg zurück in die normale Welt machen, beginnt ein Streit über die meidenden Blicke des Ehemanns. Das Bühnenbild wechselt hierbei durch sich drehende Wandelemente, die durch schwarz gekleidete Tänzer bewegt werden. Außer diesen Wänden braucht das Bild nicht mehr. Die Energie entsteht durch den Gesang und die Konversation der beiden.

    Sina, 29 Jahre

    Orphée et Eurydice © Kiran West

    Es war für mich die erste Inszenierung bei der sowohl Oper als auch Ballett mitgewirkt haben. Daran muss man sich als Zuschauer auch erstmal gewöhnen, kann es aber auch umso mehr genießen. Der Handlungsrahmen von John Neumeier ergänzt das Stück hervorragend und macht die Geschichte schlüssiger. Der Solistengesang hat mir gut gefallen, vor allem die Stimme der Eurydike habe ich sehr genossen. Der Gesang wurde gut mit der Inszenierung auf der Bühne verbunden und wirkte nie wie eintöniger Operngesang. Der Tanz hat mir sehr gut gefallen. In der Regel waren es Gruppentänze aus denen immer wieder ein Paar hervorstach, es wurde viel variiert. Die vielen Hebefiguren waren spektakulär.

    Auch besonders gefallen haben mir Bühnenbild und Kostüm. Die Teile des Bühnenbildes waren großartig – multifunktional und trotzdem simpel gehalten. Generell fand im Bühnenbild viel Bewegung statt, durch die Spiegel konnte man teilweise eine dreidimensionale Sicht auf das Geschehen haben.

    Lucy, 20 Jahre

  • BallettTester »Bernstein Dances«

    BallettTester »Bernstein Dances«

    Vor der Wiederaufnahme von John Neumeiers Ballett »Bernstein Dances« durften drei junge BallettTester das Stück bereits vor allen anderen bei der Hauptprobe erleben. Wir freuen uns sehr, dass Jonna Lorenz, Yannick Klix und Janine Altmiks ihre Eindrücke und Erlebnisse mit uns teilen:

    Als ich gesehen hatte, das man als BallettTester eine Hauptprobe des Hamburg Ballett in der Staatsoper sehen kann, wollte ich unbedingt mitmachen. Ich habe selber schon seit fünf Jahren Ballettunterricht in Kiel, und es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, die Ballettprofis auf der Bühne zu erleben. Nun durfte ich also das erste Mal in der Hamburgischen Staatsoper ein Ballett sehen: »Bernstein Dances«, eine Ballettrevue mit der Musik von Leonard Bernstein.

    Mir haben die Musik und natürlich auch die Choreografie sehr gut gefallen. Die Tänzer haben jede Emotion toll dargestellt, sodass man genau sehen konnte, was sie gerade fühlen. Die Musik und die Tänze waren sehr abwechslungsreich: von lustig und fröhlich bis spannend und dramatisch war alles dabei. Das in dem Stück auch Sänger mitwirkten, hat mich sehr überrascht. Die Sopranistin Dorothea Baumann und der Bariton Oedo Kuipers haben fantastisch gesungen. Die Kostüme waren relativ einfach und schlicht gehalten, dies passte jedoch sehr gut zu dem Stück. Dieser Abend war ein besonderes Erlebnis für mich.

    Jonna Lorenz, 12 Jahre

    Bernstein Dances © Kiran West

    Zum einhundertsten Geburtstag des wohl einzigartigen Dirigenten, Komponisten und Musikvermittlers Leonard Bernsteins nimmt das Hamburg Ballett seine »Bernstein Dances« wieder ins Programm. Bevor jedoch der erst 23-jährige Christopher Evans in der Rolle Bernsteins sein Debüt als jüngst beförderter Erster Solist geben kann, wird zwei Tage vor der großen Saisoneröffnung ein letztes Mal geprobt. Neben John Neumeier, der künstlerischen Leitung und uns drei BallettTestern haben noch einige Fotografen und ein paar Mitarbeiter Platz genommen, ansonsten ist der Saal der Staatsoper so gut wie leer.

    Neben dem Leben Bernsteins steht der Abend im Zeichen von Liebe und Erotik: Als niemand Geringeres als »Eros« persönlich greift Alexandr Trusch immer wieder in das Geschehen und Leben Bernsteins ein.

    Das Ballett beginnt mit der Ouvertüre zu »Candide«. Angekommen in New York kann Evans dem Vorwurf der Verschwendung von Zeit und Geld nur die eigene Überzeugung entgegenhalten, Talent zu besitzen. In der Metropole fällt es ihm zunächst schwer, Fuß zu fassen. Doch er soll recht behalten: Die Liebe und mit ihr die Musik sind es schließlich, die ihn ankommen lassen, wenngleich der Kontrast von einsamen Nächten am Klavier und der lauten Welt des Broadways bleibt.

    Bevor es schließlich zu Bernsteins berühmtesten Werk, der »West Side Story«, kommen kann und Tony seine Maria findet, sitzt Evans als Bernstein wieder einmal nachts alleine am Klavier und probiert vergebens, die richtigen Melodien zu finden. Erst mit Zigarette im Mund will es ihm gelingen. Es sind diese Bilder – Notenpapier, Zigaretten und Klavier – die das Ballett als Hommage an Bernstein prägen. So erstrahlen bereits zu Beginn des Balletts große Portraits, die den Musiker voller Freude und Energie beim Dirigieren zeigen. Von den beeindruckenden New-York-Fotografien des Bühnenbildes ganz zu schweigen.

    Bernstein Dances © Kiran West

    Die zweite Hälfte des Abends steht musikalisch ganz im Zeichen von der »Serenade nach Platons ›Symposium‹«, jenem Gastmahl, das die griechischen Philosophen zur Diskussion über den Eros bewegte, die ihren Höhepunkt in den jazzartigen Unterbrechungen des Alkibiades findet. Das Bühnenbild fällt wieder schlicht aus: In der rechten Ecke steht lediglich eine lange ungedeckte Tafel. Es ist aber gerade diese ästhetische Schlichtheit und vor allem die der von Giorgio Armani gestalteten Kostüme, die den Fokus auf Tänzer und Musik lenkt.

    Die zweite Hälfte gestaltet sich als Wechsel zwischen zwei Schauplätzen: Im hinteren Teil der Bühne findet eine kleine Party in einer New Yorker Wohnung statt, deren Türen sich immer dann öffnen, wenn Sebastian Knauer am Klavier das Themenmaterial der »Serenade« in den »Five Anniversaries«, jenen Geburtstagsständchen, die Bernstein für einige Freunde schrieb, vorstellt. Im vorderen Teil findet die Auseinandersetzung der Tänzer mit dem Eros statt, immer dann, wenn das Orchester die »Serenade« spielt.

    Den Tänzern gelingt es, den Spirit Bernsteins aufzugreifen, echte Emotionen zu transportieren und den Zuschauer zu berühren. Unterstützt werden sie dabei von dem starken Sängerduo aus Dorothea Baumann und Oedo Kuipers, das auf clevere Art und Weise Teil der Choreografie ist, und natürlich vom Staatsorchester unter der Leitung Garrett Keasts. Zu schade, dass man bei der Generalprobe nicht applaudieren kann.

    Wen die Musik und der Spirit Bernsteins begeistert, sollte sich das Ballett auf keinen Fall entgehen lassen. Weitere Vorstellungen (mit teilweise geänderter Besetzung) gibt es noch diese Woche, ermäßigte Restkarten sind nach Verfügbarkeit an der Abendkasse für alle Berechtigten unter 30 Jahren erhältlich.

    Yannick Klix, 21 Jahre

    Bernstein Dances © Kiran West

    Am 7. September besuchte ich als eine von drei BallettTestern die Hauptprobe von »Bernstein Dances«. Ich hatte zuvor noch keine Ballettvorstellung gesehen und wusste nicht, was mich erwarten würde. Normalerweise bin ich im Genre Musical zu Hause, war aber gespannt darauf, etwas Neues zu erleben.

    Im Gepäck ein Programmheft und eine Besetzungsliste, damit ging es in den Saal. Inmitten von Fotografen nahm ich Platz und hatte einen tollen Blick auf die Bühne. Ein bisschen aufgeregt war ich schon, das hat man nicht alle Tage.

    Licht aus, Vorhang auf! Einsetzen des Orchesters, minimalistisches Bühnenbild (Drei Fotos von Bernstein und ein Flügel auf der Bühne). »Impulsanter Start« waren die ersten beide Worte in meinem Notizbuch. Die Zeit verging wie im Flug, so sehr war ich darauf konzentriert, zu folgen. Nach 2 1/2 Stunden inklusive Pause hatte ich viele Eindrücke gesammelt. Ich gebe zu, beim Ballett hatte ich aufwendige Kostüme und Frisuren erwartet, ein bisschen wie beim Nussknacker (obwohl die Stücke überhaupt nicht vergleichbar sind). Doch ich wurde überrascht.

    Die TänzerInnen waren schlicht gekleidet, was für mich für das moderne Zeitlose steht. Mir gefiel die ausgewählte Musik sehr gut, teilweise gesungen von Dorothea Baumann und Oedo Kuipers (tolle Stimmen). Das Zusammenspiel mit Tanz und Schauspiel überzeugte mich dahingehend, dass ich auch ohne Dialoge verstanden habe, welche Stimmungen und Emotionen »erzählt« wurden. Biografische Aspekte, ohne dass der komplette Lebenslauf wiedergegeben wurde. Durch die abwechselnden Stimmungen wurden die facettenreichen Seiten des Künstlers dargestellt. Mir gefiel diese Art der Umsetzung sehr gut. Alles in Allem finde ich, dass die Revue gelungen ist.

    Janine Altmiks, 29 Jahre

  • BallettTester »Illusionen – wie Schwanensee«

    BallettTester »Illusionen – wie Schwanensee«

    Vor der Wiederaufnahme von John Neumeiers Ballett »Illusionen – wie Schwanensee« durften zwei junge BallettTesterinnen das Stück bereits vor allen anderen bei der Hauptprobe erleben. Wir freuen uns sehr, dass Marlene Hausen und Katia Marin ihre Eindrücke und Erlebnisse mit uns teilen:

    Am 6. April 2018 durfte ich als BallettTesterin die Hauptprobe des Stückes »Illusionen – wie Schwanensee« sehen. Darüber habe ich mich riesig gefreut! Ich hatte zusammen mit einer anderen Balletttesterin tolle Plätze, von wo aus wir alles genau sehen konnten. Ich war überrascht, dass in dem Stück so viele akrobatische Hebefiguren gezeigt wurden; auch Räder wurden geschlagen und Flickflacks rückwärts wurden gezeigt. Das hat mir besser gefallen und war aufregender als in dem Originalstück »Schwanensee«. Sogar einige kleinere Kinder haben in dem Stück mitgespielt. Da hätte ich am liebsten auch mitgetanzt. 

    Alle Figuren wurden toll gespielt bzw. getanzt. Die Kostüme waren richtig schön – besonders die der Schwäne. Das Stück ging ziemlich lang, aber es war an keiner Stelle langweilig. Am Schluss fiel ein riesiges blaues Tuch über den König und den Mann im Schatten und die beiden wurden verdeckt und der König ertrank im See. Das war traurig, aber es sah toll aus!

    Marlene Hausen, Schülerin, 10 Jahre

    © Kiran West

    Die Geschichte von Schwanensee in einem interessanten anderen Rahmen zu sehen, hat mich bezaubert. Nach der Aufführung habe ich mich wie der König gefühlt, der sich zwischen seinen Erinnerungen und der Realität verloren hat.

    Ich hatte nicht das Gefühl, dass Menschen getanzt haben, sondern eher märchenhafte Kreaturen. Es schien mir fast so, als hätten die Tänzer keine Körper – für mich flogen sie in der Luft wie Schleier. Doch die menschlichen Gefühle konnte ich gut erkennen und mich so in die Rollen hineinversetzen…

    Die Kostüme der königlichen Zeit haben die Rollen gut dargestellt und die Farben haben sich wunderbar ergänzt. Jedes Detail, jedes kleinste Ornament war harmonisch. Das Kostüm der Schwanenprinzessin hat mich fasziniert, und die Bewegungen und die Formen der Schwäne waren äußerst gut choreografiert. Ich war mir sicher, dass vor mir Schwäne geschwommen sind und nicht Menschen, die getanzt haben. Insgesamt war das klassisch und originell.

    Das Bühnenbild ist wie ein Gemälde! Die Farben und die Musik passen zusammen und jeder Ort der Träume und der Erinnerung kontrastiert wunderbar mit den Orten der »Realität« im Stück, wo sogar das Licht, das durch die Fenster den Raum erleuchtete, realistisch schien. 

    Die Geschichte sowie die Tänze von »Schwanensee« wurden respektiert, jedoch persönlich und modern interpretiert. Ballett im zeitgenössischen Stil und mit Geschmack. Die Musik von Tschaikowsky ist natürlich transzendent, aber im Zusammenhang mit dem Licht, den Figuren und der leidenschaftlichen Interpretation ist der atemberaubende Effekt garantiert. 

    Letztendlich kann man nicht alles in Worte fassen – man muss es erleben, um zu verstehen. Wo die Worte aufhören, fängt die Kunst an. Dunkler Saal, Stille, Vorhang auf und Musik!

    Katia Marin, Erasmus-Studentin aus Frankreich, 18 Jahre